BUCHVORSTELLUNG:
Cornelius Castoriadis, Die bürokratische Gesellschaft
Cornelius Castoriadis (1922-1997), politischer Theoretiker, Aktivist,
Philosoph, Psychoanalytiker, Ökonom, war Mitbegründer der Zeitschrift
und gleichnamigen politischen Gruppe Socialisme ou Barbarie
(1948-1967). Er formulierte eine radikale Kritik der westlichen wie östli-
chen Gesellschaftssysteme und skizzierte die Grundzüge einer auf der
Idee der Selbstverwaltung und Rätedemokratie beruhenden gesell-
schaftlichen Alternative – eines Entwurfs kollektiver wie individueller Au-
tonomie. Dabei spielte stets die intensive Auseinandersetzung mit dem,
so Castoriadis, »totalen bürokratischen Kapitalismus« der UdSSR eine
zentrale Rolle.
Das vor 20 Jahren auf den Weg gebrachte Editionsprojekt Cornelius
Castoriadis: Ausgewählte Schriften geht mit dem voluminösen Band
10, Die bürokratische Gesellschaft, nun in eine neue Runde. Er bietet
dreierlei: 1. eine theoretisch angeleitete, materialreiche Chronik des ge-
sellschaftlichen Regimes Russlands von 1917 bis 1990 in revolutionärer
Absicht; 2. Antworten auf die Fragen: »Was war die UdSSR?« und »Was
ist der bürokratische Kapitalismus?«; und 3. viel Erhellendes über Ent-
stehung und Entwicklung des Castoriadis’schen Theorieentwurfs.
Harald Wolf, Göttinger Soziologe und einer der Herausgeber, wird den
Band vorstellen und auch die Aktualität des zunächst vielleicht veraltet
klingenden Konzepts »bürokratischer Kapitalismus« deutlich machen.
Dabei wird genügend Zeit sein, nachzufragen, nachzuhaken und kritisch
zu intervenieren.
DONNERSTAG, DEN 12. MÄRZ 2026, UM 19:30 UHR IM BUCHLA-
DEN ROTE STRAßE – GÖTTINGEN – NIKOLAIKIRCHHOF 7