Buchladen Rote Straße – Göttingen

Nikolaikirchhof 7 in 37073 Göttingen Telefon 0551 / 42128 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Öffnungszeiten: Mo - Fr: 10 - 18:30 Uhr Sa: 10 - 15 Uhr

 Wir teilen hier ein Schreiben von Sebastian Wertmüller, welches uns sehr freut. Vor allem wird unser ehemaliges Kollektivmitglied Klaus gewürdigt, was uns sehr berührt.


 

Der Buchladen Rote Straße in Göttingen war und ist über viele Jahre hinweg ein zuverlässiger und kompetenter Partner für den Deutschen Gewerkschaftsbund in Göttingen bei der Durchführung von Veranstaltungen verschiedenster Art. Für den Zeitraum bis 2006 hatte ich als DGB-Vorsitzender u.a. eine ganze Reihe von Lesungen in Kooperation mit dem Buchladen Rote Straße durchgeführt. Der Buchladen war immer ein souveräner Partner, Anlässe an einem Zweifel an seiner demokratischen Verfasstheit und Haltung gab es zu keinem Zeitpunkt.

In meiner Tätigkeit als ver.di-Geschäftsführer für den ver.di Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen mit einer großen Geschäftsstelle in Göttingen machte ich dieselben Erfahrungen zwischen 2011 und meinem Ausscheiden im Jahr 2025.

Schon aus diesen Gründen war und ist der Buchladen Rote Straße auch die Buchhandlung vor Ort, bei dem der DGB und mein ver.di-Bezirk seine komplette Fachliteratur bezog, ebenso wie zahlreiche Buchpräsente für Veranstaltungen.

Einer der Buchhändler und Mitbegründer des Buchladens Rote Straße kam gewerkschaftlich von der Deutschen Angestelltengewerkschaft DAG und war über Jahre deren örtlicher Vorsitzender. Er war aktiv beteiligt an der Gründung der Gewerkschaft ver.di im Jahr 2000. Der Kollege war über Jahre hinweg Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins in Göttingen und bis zu seinem Tod Mitglied im ver.di-Bezirksvorstand und im Präsidium. Auch er wird hier indirekt angegriffen und seine persönliche Integrität in Frage gestellt.

Ich betrachte daher die Attacken auf den Buchladen Rote Straße (d.h. den Ausschluss vom Buchhandlungspreis und die politische Bewertung durch Kulturstaatsminister Weimer) nicht nur als einen kulturpolitischen Skandal allerersten Ranges.

Es ist auch ein Angriff auf den Deutschen Gewerkschaftsbund und auf die Gewerkschaft ver.di (sowie auch vielen andere kommunale und regionale Partner des Buchladens), die mit der Buchhandlung eng kooperieren. Herr Weimer unterstellt dem DGB und ver.di mit seinen Vorwürfen eine Zusammenarbeit mit verfassungsfeindlichen und linksextremistischen Kräften. Einem verdienten und zwischenzeitlich verstorbenen langjährigen Funktionär unserer Gewerkschaft und geachteten Buchhändler wird über diesen Weg ebenfalls Linksextremismus nachgesagt. Dass derartige ideologischen Vorwürfe aus der Zeit der Berufsverbotsverfahren der 70er Jahre wieder gegen Buchläden herangezogen werden, wirkt gespenstig gestrig und zugleich gruselig zeitgeistig im Sinne eines trumpistischen Rechtspopulismus.

Als überzeugter Demokrat und engagierter Gewerkschafter wehre ich mich gegen diesen skandalösen Vorgang, diesen Versuch der Zensur und Geschäftsschädigung durch Mittelentzug. Der Buchladen erhält von mir jede notwendige Unterstützung.

Kulturstaatsminister Weimer hat erkennbar ein weiteres Mal ein Problem mit der Wahrnehmung von Grundrechten, wenn sie nicht seiner konservativen Haltung entsprechen. Das ist das Problem und das ist der Skandal, nicht aber der Verkauf von Büchern durch preisgekrönte Buchhandlungen, die für die Verbreitung einer demokratischen Kultur wahrscheinlich mehr beitragen als Weimer in seiner gesamten beruflichen Laufbahn!

 

Sebastian Wertmüller, 05.03.2026

DGB-Vorsitzender in Göttingen von 1996 – 2006

ver.di-Geschäftsführer Süd-Ostniedersachsen 2011 - 2025