Veranstaltungen - Archiv 2014

Making of:  Leben als Politik

"Nicht das Problem macht die Schwierigkeit,

sondern unsere Sichtweisweise darauf."

 Viktor Frankl

 

Die vielköpfige Hydra

Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks ...

und die Zukunft der globalen Klassenkämpfe

Veranstaltung mit Christian Frings, Mittwoch, 26. November 2014, 20 Uhr

Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchof 7, Göttingen

Veranstaltungsreihe: Making of: Leben als Politik, von: AK Internat, aut, Buchladen Rote Straße, Ifak, unterstützt von der AG Dritte Welt

 An den Außengrenzen Europas werden jeden Tag Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich auf dem Weg zu  ihren  Arbeitsplätzen befinden, mit  brutaler Gewalt, tödlichen Schüssen und dem Ertränken im Mittelmeer an der Reise gehindert. Schaffen sie es trotzdem, die europäischen Metropolen zu erreichen, werden sie als „Flüchtlinge“, „Illegale“ oder „Asylbewerber“ ausgegrenzt und nicht als Teil der Arbeiterklasse betrachtet. In Hamburg versuchte der Landesvorstand von ver.di, die Aufnahme der aus Italien gekommenen Lampedusa-Gruppe in die Gewerkschaft mit dem Argument zu verhindern, dass sie „Ausländer ohne Arbeitserlaubnis“ seien.

Die hier zum Ausdruck kommende extreme Spaltung des globalen Proletariats in eine eingehegte und befriedete „Arbeiterbewegung“ im reichen Norden und schwarze, antirassistische und antikolonialistische Kämpfe im armen Süden hat ihre Geschichte. Auf völlig neue Weise erzählen Peter Linebaugh und Marcus Rediker diese Geschichte in Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks aus dem Jahr 2000, das 2008 in deutscher Übersetzung erschien.

Im atlantischen Raum startete der globale Kapitalismus ab dem 16. Jahrhundert seinen Siegeszug um die Welt. Aber für zwei Jahrhunderte war der Atlantik auch ein vielfältiges Netzwerk von Widerstand und Revolten gegen die Durchsetzung der neuen Fabrik- und Arbeitsdisziplin. Es ist ein „buntscheckiger Haufen“ aus entflohenen  Sklaven,  shanghaiten  Seeleuten, zwangsverpflichteten  ArbeiterInnen,  Piratinnen und Piraten, Webern, Fischweibern, Prostituierten, Holzhauern und Wasserträgern, der für lange Zeit die Entwicklung des Kapitalismus durch sein Beharren auf kommunitären Formen des Zusammenlebens behindert. Die Herrschenden und die Kapitalisten erblicken darin eine gefährliche „Hydra“, deren Köpfe vielfach nachwachsen, wenn sie abgeschlagen werden. Erst nach dem Schrecken der haitianischen Revolution von 1792-1804, dem ersten erfolgreichen Sklavenaufstand in der modernen Geschichte, verfestigte sich der Rassismus und die Spaltung in „Nord“ und „Süd“ dermaßen, dass sich die beiden narrativen Stränge der etablierten Arbeiterbewegungen im Norden und von Black Power im Süden auch vom Historiker nicht mehr zusammenbringen lassen, wie Linebaugh und Rediker schreiben: „Aber wir können eine Zeit in Erinnerung rufen, in der sie noch nicht getrennt waren.“

Darin besteht die Aktualität dieses Buchs, das im Rückblick auf eine verborgen gebliebene Vergangenheit einen Ausblick auf eine Zukunft ermöglicht, die notwendig wäre, um den Kapitalismus als ausbeuterisches und zerstörerisches System überwinden zu können. Um diese Geschichte und ihre Bedeutung für uns heute wird es auf der Veranstaltung gehen.

 

 

Donnerstag, 25. September 2014

  „Caliban und die

Hexe“

Veranstaltung mit Max Henninger

 

Max Henninger stellt den Ansatz von Silvia Federici einer neuen feministischen Sicht auf die Verbindung von Hexenverfolgung und  'ursprünglicher Akkumulation' am Vorabend des Kapitalismus vor und dessen Relevanz sowohl für die Sozialgeschichte als auch deren aktuelle Bedeutung.

 

Donnerstag, 23. Oktober 2014:  „Über Marx hinaus“

Veranstaltung mit Max Henninger

 

Max Henninger wird das Buch "Über Marx hinaus" vorstellen, dass eine kritische 

Bestandsaufnahme der heterodoxen marxistischen Diskussion der letzten 50 Jahre bietet. Dabei

geht es im Wesentlichen um die Frage, ob und inwieweit der Bezug auf Marx für eine linke

Theorie der historischen und gegenwärtigen Sozialgeschichte weiterhin möglich ist.

 

 

Mittwoch, 5. November 2014: „Territorien des

Widerstandes“

Veranstaltung mit Eberhard Jungfer

 

Eberhard Jungfer wird, ausgehend von Raul Zibechis,  "Territorien des Widerstands", die Frage der

Orte des Widerstands und der Subjektkonstitution im globalen Süden thematisieren. Dabei geht

es auch darum, dass die historischen und sozialen Bedingungen der Subjektkonstitution im

globalen Süden anderen als den europäisch-cartesianischen Formen folgen, womit eine Abkehr

von eurozentristischen Denkmodellen als Grundvoraussetzung für das Verständnis

trikontinentaler sozialer Prozesse erkennbar wird.

 

alle Veranstaltungen finden um 20.00 Uhr im Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchof 7, Göttingen

 

Veranstaltet von: AK Internat, aut, Buchladen Rote Straße, Ifak, unterstützt von der AG dritte Welt

 

 

Çapulcu – Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei

Buchvorstellung und Infoveranstaltung

mit dem Autor Tayfun Guttstadt zu seinem neuen Buch

Donnerstag, den 05.06.2014 um 19.00 Uhr

im Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7

Tayfun Guttstadt, in Hamburg geboren, lebt seit drei Jahren in der Türkei und ist dort in der linken und der Umweltbewegung aktiv. Zu Besuch in Deutschland, stellt er sein Buch ›Çapulcu‹ vor und schildert Beginn, Verlauf und Hintergründe der Proteste, an denen er selbst aktiv teilgenommen hat. Vor allem aber gibt er den Beteiligten Gesicht und Stimme und zeigt so die Vielfalt, aber auch die Gespaltenheit der Bewegung.

 

Abschließend werden die Ereignisse gesellschaftspolitisch analysiert und eingeordnet, wobei aktuelle Geschehnisse in der Türkei mit in den Vortrag einfließen.

 

Die Veranstaltung wird von einer Dia-Show mit ausdrucksstarken Fotos von den Ereignissen begleitet.

 

Eine Diskussion nach dem Vortrag ist ausdrücklich gewünscht.

 

 Fatma Umul, analyse & kritik Nr. 593, 15.4.2014: »Das in drei Bereiche unterteilte Buch bietet einen differenzierten Einstieg und ist mit seinem spannenden Schreibstil sowohl für LeserInnen geeignet, die eine Perspektive ›von mittendrin‹ bevorzugen, als auch für LeserInnen, die Interesse an weiterführenden Analysen haben. [...] Wesentlich ist, dass Guttstadt [die] Gezi-Proteste aus den türkischsprachigen Diskursen im deutschsprachigen Raum für einen Vergleich der sozialen Bewegungen zugänglich macht. Wer Interesse hat, aus erster Hand die komplexen Hintergründe des Sommers 2013 zu verstehen, sollte mit Çapulcu den ersten Schritt machen.«
Fatma Umul, analyse & kritik Nr. 593, 15.4.2014)

 

veranstaltet vom Historischen Colloquium Göttingen und Buchladen Rote Straße

 

 

 "Kommen sie da runter!"

 

Wie fühlt es sich oben in einer Baumkrone über der Castorstrecke an? Gibt es ein Gesetz à la „Du sollst dich ausschließlich horizontal bewegen“? Warum interessiert sich der Verfassungssch(m)utz mehr für's Baumklettern als für mordende Neonazis? Wie fühlt sich eine Überwachung „mit besonderen technischen Mitteln“ an? Und im Gefängnis? Warum sitze ich wegen fünf Euro oder etwas mehr dort „freiwillig“ ein? Wie gehe ich mit dem Tod eines Mitkämpfers um? Was ist vom Spruch „Im Namen des Volkes“ zu halten?

 

Cécile Lecomte ist Umweltaktivistin und wird auch „das Eichhörnchen“ genannt. Die meisten ihrer Aktionen stehen im Kontext der AntiAtomBewegung und finden in Form von Kletteraktionen statt.

 

Am Freitag, 28. März, stellt sie um 19 Uhr im Roten Buchladen (Nikolaikirchhof 7) ihr im Februar erschienenes Buch „Kommen Sie da runter!“ mit einer Lesung vor und erzählt aus ihrem aktivistischen und juristischen Alltag.

 

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu Austausch und Diskussion.

 

 

 

Lesung mit Robert Foltin am Freitag, den 21.2.14 im Roten Buchladen  

 Am 21. Februar 2014 liest der Wiener Autor Robert Foltin (u.a. Redakteur der Zeitschrift Grundrisse aus Wien) aus seinem neuen Roman Herbst 1918, ein Anfang stehen die Erfahrungen des jungen Revolutionärs Jakob im Wien des Jahres 1918. Jakob ist Aktivist in der Arbeiter*innen-Bewegung seiner Zeit. Hier macht er erste politische Erfahrungen, nähert sich aber zugleich der Frage, wo das politische aufhört und wo das private anfängt, welche Rolle seine Sexualität und Männlichkeit spielen und wie alles dies miteinander zusammenhängt.

Herbst 1918, ein Anfang ist der erste Roman des Autors. Bislang war Robert Foltin als Autor verschiedener bewegungs- und theoriegeschichtlicher Einführungs- und Überblickswerke bekannt. Er hat u.a. mit "Die Körper der Multitude" eine lesenswerte Streitschrift zum Verhältnis von queer-feministischer Politik und Kapitalismuskritik vorgelegt.

Es geht um die Verstrickung der Akteur*innen in Kämpfe um politische Veränderung – und um ihre Verstrickung in Kämpfe um ganz persönliche, nur auf den ersten Blick nicht-politische Fragen. Denn, so der Klappentext: Jakob möchte Revolutionär werden und findet vorerst keine Gleichgesinnten. Erst nach seiner Desertion aus der Armee schließt er sich einer revolutionären Gruppe an und gerät im Wien der letzten Tage der Österreich-Ungarischen Monarchie in politische Diskussionen und Demonstrationen, muss sich aber auch mit konterrevolutionärer Gewalt und seiner Männlichkeit auseinandersetzen.

Wir freuen uns, das Robert Foltin Zeit und Lust hat, uns Teile aus seinem Roman vorzutragen und anschließend mit allen Interessierten darüber zu diskutieren.

Lesung am Freitag, 21.2.14 um 19.00 Uhr im Roten Buchladen, Nikolaikirchhof 7.