Veranstaltungen - Archiv 2007

Bezahlt wird nicht!?

Arbeit und Faulheit - Zwangsarbeit und Freiheit - Armut und Reichtum

Konzertlesung: Hubert Brieden / Mechthild Dortmund

Musik: Moritz Dortmund (Schlagzeug u. Percussion) / Wolfgang Mayr (Bass)

Dienstag, den 16. Oktober 2007 um 19.00 Uhr im Kino Lumiere, Geismar Landstraße 19

Massenarbeitslosigkeit, Arbeitszeitverlängerung, Lohnabbau, Hartz IV, Arbeitszwang. Wer den Reichtum für wenige mehren will, muss die Armut für viele schaffen. Die Rede ist vom größten Sozialkahlschlag seit der Gründung der Bundesrepublik. Kaum noch jemand spricht von Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen oder gar vom " Recht auf Faulheit". Was bisher nur für die "dritte Welt" galt, soll zukünftig auch wieder hierzulande gelten. Alltäglicher Irrsinn auf dem globalisierten (Arbeits-)Markt.

Seit dem 18. Jahrhundert haben sich SchriftstellerInnen unterschiedlicher Herkunft mit den Ungereimtheiten und Perversionen der Propheten der Arbeit und des "freien Marktes" auseinandergesetzt: von Jonathan Swift über Georg Büchner, Paul Lafargue, Erich Kästner, Heinrich Böll, bis Lluis Llach, Irmtraud Morgner, Charles Bukowsky oder Dario Fo, der Anfang der siebziger Jahre sein wohl bekanntestes Theaterstück mit dem Titel " Bezahlt wird nicht!" schrieb. Damals weigerten sich Arbeiter und Hausfrauen v.a. in Italien die ständig steigenden Preise für Lebensmittel oder den öffentlichen Nahverkehr weiter zu bezahlen. Und heute? Wer will eigentlich was nicht bezahlen? Und ..... führt diese Frage nicht gleich zur nächsten? Nämlich: Was haben Martin Luther und Gerhard Schröder gemein?

Eine Veranstaltung des Buchladens Rote Straße und des Vereins zur Förderung der politischen Bildung e.V.
Eintritt frei, Spenden erwünscht

 

Gute Bücher in schöner Gestalt: Die Büchergilde Gutenberg

Donnerstag, den 4. Oktober 2007 um 20.00 Uhr im Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7

Als Buchgemeinschaft von gewerkschaftlich engagierten Schriftsetzern und Buchdruckern 1924 gegründet, verfolgt die Büchergilde auch nach mehr als 80 Jahren die Grundsätze ihrer Gründer: Bücher zu verlegen, an deren Inhalte und Ausstattung hohe Qualitätsmaßstäbe angelegt werden. Die wechselvolle Geschichte Deutschlands spiegelt sich auch in der Entwicklung der Büchergilde wieder. Gegründet in der Weimarer Republik, 1933 ins Exil in die Schweiz gegangen, kehrte die Büchergilde 1947 zurück, um als gewerkschaftliche Kulturinstitution in den politisch bewegten Zeiten ihre mitgliederstärkste Phase zu erleben. Als die gemeinwirtschaftlichen Unternehmen der Gewerkschaften in den .70er Jahren in die Krise gerieten, blieb die Büchergilde nicht verschont. Nur ein mutiger Schritt von leitenden Mitarbeitern rettete die traditionsreiche Buchgemeinschaft 1998 vor dem Aus. Die Ideen der Gründer blieben bei all diesen Schwankungen erhalten: den Mitgliedern inhaltlich gute Bücher in hervorragender Ausstattung anzubieten.

Über Geschichte und die Programmgestaltung der Büchergilde heute berichten Giseltraut Wehrle und die Lektorin Corinna Huffman, Frankfurt.

 

‚TANIA - Undercover mit Che Guevara in Bolivien‘

Lesung und Buchvorstellung

Freitag, den 25. Mai 2007 um 20.00 Uhr im im JuZI, Bürgerstr. 41

Ulises Estrada stellt sein Buch ‚TANIA - Undercover mit Che Guevara in Bolivien‘ vor, in dem er als Zeitzeuge und Gefährte über Tania und sein Leben mit ihr berichtet.
TANIA ist die Geschichte der legendären Tamara Bunke, bekannt als Tania la Guerrillera, die 1937 in Argentinen als Tochter jüdischer Emigranten geboren wurde.Nachdem die Familie 1952 in die DDR zurückkehrt war, begeisterte sich die junge Tamara im Aufbruchsgefühl jener Zeit für die Kubanische Revolution und entschied sich, ihr Leben der Befreiung Lateinamerikas zu widmen.

Ulises Estrada gehörte zu den jungen kubanischen RevolutionärInnen, die 1959 die Batista-Diktatur stürzten. Er lernte Tania/Tamara kennen und lieben, bevor sie als einzige Frau an der Seite Che Guevaras in Bolivien kämpfte und in einem Hinterhalt ihr Leben verlor.

Mit bislang unbekannten Fakten und Dokumenten schildert Ulises Estrada in großer Offenheit den gemeinsamen Kampf.

Veranstalter: Juzi, Theaterkeller und Buchladen Rote Straße

 

‚Schwabinger Krawalle‘ Protest, Polizei und Öffentlichkeit zu Beginn der 1960er Jahre

Vortrag und Buchvorstellung

Mittwoch, den 28. März 2007 um 20.00 Uhr im Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7

Im Juni 1962 lieferte sich die Münchner Stadtpolizei im Künstler- und Studentenviertel Schwabing an fünf aufeinander folgenden Nächten heftige Auseinandersetzungen mit mehreren tausend Personen, die unter demonstrativer Missachtung polizeilicher Anordnungen Straßen und Kreuzungen blockierten. Kontroverse Medienberichte heizten die Stimmung zusätzlich auf.

Der Anlass für die ‚Schwabinger Krawalle‘ war vergleichsweise banal gewesen: Zwei Streifenpolizisten waren am Abend des 21. Juni gegen eine Gruppe von fünf jugendlichen Straßenmusikern eingeschritten, die am Rande der Leopoldstraße vor einem größeren Publikum Lieder auf der Gitarre gespielt hatten. Die Situation eskalierte, als Zuhörer und Passanten die augenscheinliche Festnahme der Musiker verhindern wollten. Von nun an sollte sich in dieser und in den folgenden vier Nächten ein jeweils ähnlicher Handlungsablauf wiederholen: Hunderte bzw. Tausende blockierten die Leopoldstraße, die Einsatzkräfte versuchten die Straßen zu räumen und vermeintliche oder tatsächliche ‚Störer‘ festzunehmen. Insgesamt wurden während der Auseinandersetzungen dutzende Personen verletzt, viele davon durch polizeilichen Schlagstockeinsatz.

Bis heute erstaunen die Gewaltexzesse im heißen Münchner Stadtsommer des Jahres 1962. So gab es zu dieser Zeit in der Bundesrepublik sonst kaum spektakuläre Konflikte zwischen Jugendlichen und der Polizei. Die Zusammenstöße vom Juni 1962 sind seitdem keineswegs in Vergessenheit geraten, sondern haben als vermeintlich rätselhaftes, isoliertes Ereignis einen festen Platz im Geschichtsbild der bayerischen Landeshauptstadt, aber auch in der bundesdeutschen Erinnerungskultur eingenommen. Kaum eine Schilderung der turbulenten 1960er Jahre kommt ohne einen Hinweis auf die ‚Schwabinger Krawalle‘ aus. Die Versuche, das Geschehen in die Geschichte der Jugendprotestbewegungen der Nachkriegszeit einzuordnen, führten oftmals dazu, die Auseinandersetzungen als bloßes Vorspiel zur 68er-Bewegung zu interpretieren.

Michael Sturm, Co-Autor des gleichnamigen Buches, versucht in seinem Vortrag, Licht ins Dunkel der Schwabinger ‚Krawall‘-Nächte zu bringen. Er zeichnet nach, was sich vor rund 45 Jahren in der Leopoldstraße, Münchens Vergnügungsmeile zugetragen hat, wie der Konflikt wahrgenommen wurde und welche Folgen er für alle Beteiligten hatte.

Soli-Beitrag 3 € / ermäßigt 2 €

Veranstalter: Buchladen Rote Straße