Veranstaltungen - Archiv 2005

Colin Goldner:

Der Fall des Gotteskönigs - Der Dalai Lama und die rechte Esoterik-Szene

Freitag, den 21. Oktober 2005 um 20.00 Uhr im Theaterkeller, Geismarlandstr. 19

Wird am Mo., den 24. 10. um 12.00 Uhr als Mitschnitt im StadtRadio auf 107,1 MHz ausgestrahlt.

Ende der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entsandten die Nazis eine von Heinrich Himmler höchstpersönlich protegierte Expedition nach Tibet, um - man wähnte eine "okkulte Achse Berlin-Lhasa" - dort nach Überresten der nordisch-germanischen Wurzelrasse der Arier zu suchen, die sich nach dem Untergang von Atlantis dorthin zurückgezogen hätten. Die Expedition nahm dabei auch Kontakt zu der Führungsclique um den heute noch (im Exil) amtierenden 14. Dalai Lama (Tenzin Gyatso) auf. Dieser weigert sich bis heute, Auskunft zu den seinerzeitigen Unterredungen zu geben. Seit seiner Exilierung pflegt der Dalai Lama regen Kontakt zu alten und neuen Nazis: den letzten Überlebenden der SS-Expedition etwa, den 1998 verstorbenen SS-Hauptsturmführer Bruno Beger, der 1971 als NS-Kriegsverbrecher ("Rassenspezialist von Auschwitz") verurteilt worden war, traf er noch in den 1980er und 1990er Jahren zu persönlichen Gesprächen. Bekannt sind auch die freundschaftlichen Bande des Dalai Lama zu Heinrich Harrer, der sich bis heute nicht glaubwürdig von seiner Nazi-Vergangenheit - er war bereits 1933 in die SA und wenig später in die SS eingetreten - distanziert hat.

Auch in Theosophenkreisen ist der Dalai Lama regelmäßig zugange. Als Schirmherr der sogenannten Berliner "Friedensuniversität", einem im Sommer 1995 veranstalteten Szenespektakel, hatte er keinerlei Scheu, mit Obskuranten selbst des äußersten rechten Randes gemeinsame Sache zu machen. Im Beirat der Pseudouniversität: George Trevelyan, geistiger Vater der theosophisch-okkulten Findhorn-Kommune in Schottland, der in seinem "Unternehmen Erlösung" den nuklearen Holocaust herbeisehnt; unter den Referenten: SS-Todeskultverehrer Rainer Langhans oder Paulos Mar Gregorius, alias Paul Vergehse, Vertrauensmann der rechtsradikalen Mun-Sekte.

Die allgemeine Begeisterung hierzulande für den Dalai Lama zeigt, wie anfällig weite Teile des Bürgertums ganz offenbar sind für autoritäre Führerfiguren samt ihren Botschaften, vor allem dann, wenn diese drapiert in religiöse oder esoterische Heilsversprechen daherkommen. Tatsache ist freilich: Wer gegen den Dalai Lama und das lamaistische Ausbeuterregime in Tibet ist, muss nicht notwendigerweise für die chinesische Militärdiktatur sein.)

Colin Goldner ist Klinischer Psychologe, Wissenschaftsautor und Vorsitzender des Münchner "Forum für kritische Psychologie", eine Informations- und Beratungsstelle für Therapie- und Psychokultgeschädigte. Goldner hat in den achtziger Jahren Tibet, Indien und China bereist, war Entwicklungs- und Sozialhelfer in Nepal und stellte Recherchen in der Autonomen Republik Tibet sowie am Exilregierungssitz des Dalai-Lama an.

Veranstalter: Buchladen Rote Straße, Feuchtbiotop, Gruppe Gegenstrom, Theaterkeller

Mit freundlicher Unterstützung des Rosa-Luxemburg-Bildungswerks Niedersachsen.

 

 

Veranstaltungreihe "Irrationalismus"

Donnerstag, den 26. Mai 2005, 19.30 Uhr
Claudia Barth: "Esoterik und Leitkultur". Eine Einführung.
Lumière, Geismarlandstr. 19.

Dienstag, den 7. Juni 2005, 19.30 Uhr
Andreas Speit: "Esoterik - zwischen Faschismus und neuer Gesellschaft".
Theaterkeller, Geismarlandstr.19.

Mittwoch, den 22.Juni 2005, 19.30 Uhr
Peter Bierl: "Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister: Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik."
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Die folgende Veranstaltung muss leider wegen Krankheit des Referenten ausfallen, wird aber nachgeholt. Der Termin ist aber noch unbekannt.
Donnerstag, den 7. Juli 2005, 19.30 Uhr

Colin Goldner: "Der Fall des Gotteskönigs - Der Dalai Lama und die rechte Esoterik-Szene".
Lumière, Geismarlandstr. 19.

Die Veranstaltungsreihe Irrationalismus wird im Stadtradio (FM/UKW 107,1) an folgenden Tagen übertragen:
Barth: 2. Juni 12.00 Uhr (Diese Sendung fällt aus technischen Gründen leider aus.)
Speit: 16. Juni 12.00 Uhr
Bierl: 30. Juni 12.00 Uhr
Goldner: 14. Juli 12.00 Uhr
Aber besser ist es natürlich zu den Veranstaltungen zu gehen, live und in Farbe.

 

 

Veranstaltungreihe "Alltag zwischen Widerstand und Anpassung"

Freitag, den 3. Juni 2005, 22.00 Uhr
Auftaktparty: "Der Kongress tanzt".
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Samstag, den 4. Juni 2005, 20.00 Uhr
Veranstaltung: "Rock'n'Resistance".
JuZI, Bürgerstr. 41.

Sonntag, den 12. Juni 2005, 20.00 Uhr
Film und Vortrag: "Der Mann mit der Kamera".
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Freitag, den 17. Juni 2005, 20.00 Uhr
Veranstaltung: "Plattenspieler". Anschließend: Authentische Gespräche in volkstümlicher Reproduktion. Plattenauflegen mit den DJs Klaus Walter und Thomas Meinecke.
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Sonntag, den 19. Juni 2005, 20.00 Uhr
Film: "40 Jahre Theaterkeller".
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Freitag, den 24. Juni 2005, 19.00 Uhr
Veranstaltung: "Der Rote Buchladen: Von der Raubkopie zum Frühstücksbrettchen".
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Sonntag, den 26. Juni 2005, 20.00 Uhr
Film und Vortrag: "Return of the tüdelband. Die Gebrüder Wolf Story".
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Montag, den 27. Juni 2005, 19.30 Uhr
Veranstaltung: "Die Konstruktion der RAF in den Medien".
Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7.

Donnerstag, den 30. Juni 2005, 20.00 Uhr
Veranstaltung: "Brot und Rosen – und noch viel mehr".
Theaterkeller, Geismarlandstr. 19.

Freitag, den 1. Juli 2005, 20.00 Uhr
Veranstaltung: "Talking bout mia generation".
JuZI, Bürgerstr. 41.

Freitag, den 8. Juli & Samstag, den 9. Juli
Veranstaltung: "Widerstand & Alltag & unzivilisierte Beatmaschinen: der Stand der Dinge".
JuZI, Bürgerstr. 41.

 

Aufstand in Treblinka

Samuel Willenberg erzählt aus seinem Leben als Widerstandskämpfer und Künstler

b trifft Widerstand am Montag, 23. Mai 2005, 20.00 Uhr, Gemeindehaus der Reformierten Gemeinde, Untere Karspüle 11

Bewaffnet mit gestohlenen Pistolen und Granaten griffen vor über 60 Jahren jüdische Häftlinge die SS inm Vernichtungslager Treblinka an. Sie setzten die Baracken in Brand und flohen in die Wälder. Einer von ihnen war Samuel Willenberg. Er schloss sich Partisanen an und kämpfte im Warschauer Aufstand erneut ggegen die Deutschen. Heute lebt der 82-Jährige als Künstler in Israel. Seine Erlebnisse während des Holocaust spiegeln sich in seinen Skulpturen wider.

Eine Veranstaltung der Initiative für engagierte Literatur b trifft
Eintritt 7 Euro / ermäßigt 5 Euro
Kartenvorverkauf: Roter Buchladen, Nikolaikirchof 7

 

Lesung (und Diskussion) mit Georges Petit

Mit deutscher Übersetzung

Dienstag, den 12.4.2005 um 20.00 Uhr im Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7

Georges Petit wurde 1944 ins KZ Buchenwald deportiert und mußte in dessen Außenstelle Langenstein-Zwieberge Zwangsarbeit leisten. Es gelang ihm zu fliehen und zu überleben. Erst 50 Jahre später reist er in die Vergangenheit.

Er berichtet in seinem Buch "Rückkehr nach Langenstein" (erschienen in der Edition Memoria 2004, 228 Seiten, 19,50 Euro) über seine Erfahrungen, die täglich erlittene nmenschlichkeit, das Scheitern und auch den Widerstand der Zwangsarbeiter. Es ist dies die subjektive und kritische Schilderung eines Überlebenden, der heute noch nach ihrer Interpretation sucht. "Es geht ihm darum, die seelische Situation, in der er und andere sich befunden hatten, darzustellen und uns, der Nachwelt, mitzuteilen, als eine der Facetten der condition humaine" (aus einer Besprechung des Buches in der FAZ).

Georges Petit, der später Mitglied der bekannten französischen politischen Gruppe "Socialisme ou Barbarie" war, liest aus seinem Buch und steht anschließend zur Diskussion zur Verfügung.

Veranstalter: Buchladen Rote Straße

 

Sozialer Angriff und neue Knäste

Mittwoch, den 23. März um 20 Uhr im Theaterkeller, Geismarlandstr. 19

Eine Veranstaltung mit Stefan Wisniewski, der selbst über zwanzig Jahre in den Knästen der BRD saß, auch heute über Kontakte in die Knäste verfügt und die Veränderungen im Knastwesen verfolgt. Als Special folgt ein kurzer Beitrag zu Rosdorf.

Parallel zum Abbau der sozialen Sicherungssysteme wird seit Mitte der 90er Jahre trotz sinkender Kriminalitätsrate das Gefängniswesen massiv ausgebaut, dabei besteht ein enger Zusammenhang zwischen verschlechterten Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt und ansteigenden Inhaftierungen. So stieg innerhalb der letzten zehn Jahre die Inhaftierungsrate in der BRD um 50%. Besonders für durch den sozialen Angriff Entrechtete und Prekarisierte stehen dabei die Pforten der Knäste offen.

Im Zuge der Ausweitung des Knastwesens werden derzeit mit Teilprivatisierung, Arbeitszwang und Einsatz neuer Überwachungstechnologien verschiedene Modelle zur effizienteren Masseninhaftierung bei gleichzeitiger Kostensenkung erprobt. Damit wird die Knastindustrie zu einer Wachstumsbranche, die nach ökonomischen Kriterien durchrationalisiert wird. Als Vorbild dient die USA, wo diese Entwicklung mit Vollprivatisierung bereits in den 80er Jahren eingesetzt hat. Dort ist die Knastindustrie mittlerweile der drittgrößte Arbeitgeber. Um sich einen Eindruck der Entwicklung zu verschaffen, reicht bereits ein Blick nach Rosdorf, wo derzeit die neue JVA mit 318 Haftplätzen gebaut wird. Schon der Bau dieses ‚Billigknastes‘ hat wegen Dumpinglöhnen für Illegalisierte und Lohnprellerie für Schlagzeilen gesorgt.

War Anfang der 70er Jahre noch „für eine Gesellschaft ohne Knäste“ die Leitidee der radikalen Linken, so gingen die Forderungen mit der Zeit über „Freiheit für die politischen und sozialen Gefangenen“ hin zu „Freiheit für die politischen Gefangenen“ immer weiter zurück. Wir wollen mit dieser Veranstaltung einen Beitrag zur Repolitisierung der Themen Knast und Kriminalität leisten.

Veranstalter: AntiRassismus Plenum, Soziales Zentrum, Roter Buchladen

 

Volker Dehs: Jules Verne. Eine kritische Biographie

Lesung und Buchvorstellung mit dem Autor

Montag, den 21. Februar 2005 um 20.00 Uhr, Junges Theater

"Ich reise niemals nach Paris, lebe tief in meiner Provinz und bin der unbekannteste aller Menschen." Das behauptet 1895, zehn Jahre vor seinem Tod, ein Schriftsteller, der seit Über dreißig Jahren regelmäßig Bücher veröffentlicht, die ihn zum erfolgreichen Begründer des "wissenschaftlichen Romans" gemacht haben und die, seit Jahrzehnten in ein Dutzend Sprachen Übersetzt, mit ihren Figuren und Themen schon zu Lebzeiten zu Mythen der Moderne wurden: Jules Verne.

So populär und berühmt seine Werke, die über 60 Bände seiner Voyages Extraordinaires, auch sein mögen, so unscheinbar ist der Mensch - doch wer war Jules Verne tatsächlich? Auch wenn die Wirklichkeit weniger spektakulär ist als die fantastischen literarischen Welten, weniger aufregend ist sie deshalb nicht. Denn ungeahnt und vielfältig sind die Berührungspunkte, die der Göttinger Literaturwisenschaftler Volker Dehs mit sicherem Urteil und einer ganz außergewöhnlichen Kennerschaft aufgespürt hat. Zum 100. Todestag von Jules Verne hat der wohl renommierteste Jules-Verne-Kenner Deutschlands eine kritische Biographie mit vielen unveröffentlichten und bisher wenig bekannten Quellen verfasst. Rechtzeitig zum Erscheinungstermin stellt Dehs das Buch am Montag, d. 21. Februar im Jungen Theater vor.

Volker Dehs geboren 1964 in Bremen, Studium der Romanistik, Germanistik und Kunstgeschichte in Göttingen und Nantes. Vorstandsmitglied der Pariser Société Jules Verne und des Centre International Jules Verne (Amiens). Veröffentlichungen als Autor, Illustrator und Theaterkritiker, u.a. "Jules Verne" rororo Bildmonographie, 3. Auflage 2000.

Dehs lebt als Literaturwissenschaftler und freier Publizist in Göttingen. 1992 erhielt er den Preis der Universität Göttingen.

Unterstützt vom Buchladen Rote Straße