Buchladen Rote Straße in Göttingen

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Kommuniqué I - Juli 2014

 

 

Corona-Kommuniqué 3

Öffnungszeiten

Ab Dienstag, den 21.04.2020, hat der Buchladen Rote Straße wieder geöffnet!!!

Achtung veränderte Öffnungszeiten:

Mo. – Fr.: 11.00 -17.00 Uhr

Sa.: 11.00 – 15.00 Uhr

Es kann also wieder im Buchladen, wenn auch etwas eingeschränkt, gestöbert werden.

Wir freuen uns auf euch und euren Besuch, wobei einige Dinge beachtet werden sollten:

Wir bitten euch einen Abstand von 1,5m zu anderen Kund*innen und zu uns einzuhalten. Damit das möglich ist, dürfen sich nur 3 Kund*innen im Laden aufhalten.

Wenn ihr einen Mundschutz habt, tragt ihn gerne, wenn ihr uns besucht.

Bei Bestellungen möchten wir Euch bitten, diese weiter per Email zu tätigen und zu schreiben, ob ihr sie im Laden abholt oder wir sie mit Rechnung in die Abholkiste legen sollen.

Wir freuen uns auf euch, euren Besuch und darauf, dass die vielen Neuerscheinungen von Kund*innen angeguckt werden können und zu ihrem Recht kommen.

 

Euer Buchladenkollektiv

Corona-Kommuniqué 2

Wir sind immer noch überwältigt. Es scheint, dass wir einigermaßen gut durch die Zeit geschlossener Ladentüren gekommen sind, obwohl die üblichen Bestellungen von Bibliotheken, Sprachkursen und dergleichen ausblieben. Das haben wir Euch zu verdanken – also herzlichen Dank dafür!

Wie ihr sicher schon gehört habt, dürfen ab nächster Woche kleine Läden und alle Buchläden wieder öffnen – allerdings unter Auflagen. Wir werden noch nicht Montag, sondern erst Dienstag, den 21.4.20, wieder unsere Türen öffnen, und vorerst mit etwas eingeschränkten Zeiten: nämlich von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

Außerdem wird es einiges zu beachten geben, wenn ihr uns besuchen kommt: abgesehen von uns dürfen sich nicht mehr als drei Personen in den Räumen des Buchladens aufhalten (der Keller bleibt geschlossen) – zur Not muss also draußen gewartet werden, bis drinnen Platz ist. Und uns wäre es lieb, wenn diejenigen, die in den nächsten Wochen den Laden besuchen, einen Mundschutz tragen würden, zum Schutz von uns, die wir drinnen arbeiten, und allen anderen, die sich gerade im Laden befinden (wenn sich mehrere vom Buchladen-Kollektiv anstecken: dann wäre der Laden für einige Zeit zu, ganz abgesehen davon, dass niemand gern krank wird).

Wir werden versuchen, einige Mundschutze zu organisieren, die entweder für den Besuch des Ladens ausgeliehen oder erworben werden können; ebenso werden wir versuchen, Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen.

Damit es nicht zu einem Ansturm im Buchladen kommt (was zu anderen Zeiten ja eher erwünscht wäre), bitten wir darum, Bestellungen weiterhin per Email an uns zu schicken; ansonsten ist es ab Dienstag möglich, Bücher im Laden zu kaufen und sich Bücher anzusehen (es gibt ja neue; die Verlage waren nicht untätig). Trotzdem behalten wir die Möglichkeit bei, bestellte Bücher kontaktlos per Rechnung abzuholen, indem wir sie in unsere Abholkiste legen, die draußen vor der Tür steht (wer das nutzen will, sollte das gleich bei der Bestellung vermerken). Verschicken oder persönlich ausliefern werden wir Bücher auch noch, nur die Anlieferung vor die Haustür sollte in  Zukunft  nur von  denen  von  Euch genutzt werden, die sich sonst auch nicht ausserhalb des häuslichen  Umfeldes bewegen . Ansonsten werden wir allmählich zum normalen Buchladenalltag zurückkehren, in dem Bücher an der Kasse bezahlt werden.

Da alles im Moment im Fluss ist und sich vielleicht in zwei Wochen bereits wieder verändert hat, werden wir euch weiterhin auf dem Laufenden halten. Und wie beim ersten und zweiten Rundbrief weisen wir darauf hin, dass dieses Kommuniqué über alle Kanäle verbreitet wird, die uns zur Verfügung stehen, und bitten darum, dass ihr es auch über eure Kanäle weiterverbreitet. Also bitte nicht wundern , wenn ihr doppelt oder dreifach von uns Post erhaltet.

Das Buchladen-Kollektiv

 

Der Buchladen, Der Buchmarkt, Umschuldungen

Wir schreiben das Jahr 2022, ganz Europa  kauft bei Amazon, der stationäre Buchhandel befindet sich in einer tiefen Krise.

Ganz Europa?? Nein.

In vielen Städten konnten sich Buchhandlungen behaupten, so auch in Göttingen, wo der 50. Geburtstag des Buchladens mit einem rauschenden Fest gefeiert wird.

Wie kommt es dazu? Durch die fantastische Zusammenarbeit mit den vielen, vielen Menschen, die Wert darauf legen, dass es in ihrer Stadt eine, in unserem Fall linke, Buchhandlung gibt, in der Menschen mit Menschen über Bücher sprechen, in der das oberste Prinzip nicht maximaler Gewinn zu unwürdigen Arbeitsbedingungen ist, sondern die Zufriedenheit der Kund_innen. Und im Buchladen finden Lesungen und Veranstaltungen statt, Büchertische werden zusammengestellt, Fahrkarten für Busse zu Demos, Eintrittskarten für Konzerte werden verkauft, es gibt Platz für Flyer und Plakate und mehr….

Aber ist das die Zukunft?

Schon heute befindet sich Amazon auf dem Vormarsch und setzt mit seinem Geschäftsmodell die großen Buchhandelsketten unter Druck, insbesondere durch die Exklusivität seines e-book-Readers, wodurch Kunden und Kundinnen dazu gezwungen werden, e-books nur bei Amazon zu kaufen (und nicht im stationären Buchhandel bzw. auf dessen Homepages). Da jedoch in diesem Land die Preise für e-books an jene für gedruckte Bücher gekoppelt sind und von den Verlagen vorgegeben werden, im Gegensatz zu den USA, wo e-books sehr billig sind und Amazon seine Gewinne nicht mit der ‚Software‘ (e-books), sondern mit der Hardware (den e-book-Readern) macht, ist die Ladenpreisbindung für Bücher ein dicker Dorn im Auge für den expandierenden Internetkonzern, der streikende Arbeiter und Arbeiterinnen gern ins Leere laufen lässt. Trotz dieser Einschränkung ist es Amazon allerdings schon gelungen, den deutschen Buchhandelsketten ein größeres Stück des Umsatzkuchens abzunehmen und eine Krisenstimmung im deutschen Buchhandel und Verlagswesen zu erzeugen, die längst ihren Niederschlag in den Feuilletons gefunden hat.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Zweifellos sorgen Amazon und andere Internethändler für eine Umwälzung des Einzel- und Buchhandels, doch diese betrifft nicht alle Betriebe und Buchhandlungen gleichermaßen. Die Großen der Buchhandelsbranche, die auf Filialisierung, eine Mischung aus der Ausweitung des Sortiments und der Konzentration auf gut verkäufliche Bücher aus kooperationsbereiten Verlagen und auf Einsparungen beim Personal gesetzt haben, bekommen zu spüren, dass Amazon ihr Geschäftsmodell besser beherrscht und umsetzt, während kleine und mittlere Buchhandlungen (wie wir), die nur ein ausgewähltes Sortiment vorrätig haben, sich aber qualifiziert und intensiv um ihre Kundschaft kümmern (können, wenn’s gewünscht wird), kaum unter der Ausweitung des anonymen Buchverkaufs übers Internet leiden, eine Situation, die sich in den nächsten Jahren, meinen wir, kaum verändern wird – es sei denn, die kleinen und mittelgroßen Läden bluten finanziell aus.

Diese Gefahr besteht immer; die schlechte finanzielle Ausstattung vieler Buchläden war und ist einer der Gründe für den (vergangenen) Aufstieg der Buchhandelsketten, die auf Investoren und ein Entgegenkommen der Banken zählen konnten. Der Rote Buchladen laviert seit der Gründung des Ladens im Jahr 1972 immerhin so erfolgreich durch die Klippen und Stromschnellen des Buchmarktes und knapper Geldmittel, dass es ihn noch gibt – und geben wird. Seit dem Umzug in den Nikolaikirchhof (1997) ist es uns gelungen, die Investitionen in die Raumausstattung abzubezahlen und Überschüsse zu erwirtschaften, die jedoch – leider – in die Staatskasse flossen, weil wir eine (unsinnige) Strafe für das zu späte Veröffentlichen unserer Bilanzen im Internet aufgrund eines GmbH-Gesetzes bezahlen mussten (wie viele andere Betriebe); ein geringerer Teil der Strafe muss in kleinen Raten noch bezahlt werden, doch gegen die Höhe der Gesamtstrafte ist vor dem europäischen Gerichtshof ein Sammelverfahren anhängig, so dass wir vielleicht, hoffentlich, einen (größeren) Teil dieses Gelds vom Staat zurückerhalten werden.

Das Überleben kleiner Geschäfte à la Buchladen funktioniert nur, weil wir einen gewissen Preis für unsere Existenz zahlen. Der Laden ist nicht auf die gleiche Weise wie Amazon, Buchhandelsketten oder andere Unternehmen in die kapitalistische Ökonomie integriert und gewinnorientiert. Natürlich müssen wir Waren ein- und verkaufen und Steuern bezahlen, natürlich müssen wir so wirtschaften, dass am Ende des Jahres bzw. mehrerer Jahre keine roten Zahlen geschrieben werden, und natürlich müssen wir die Gesetze befolgen, die das Funktionieren und Überleben der kapitalistischen Produktion und Zirkulation sicherstellen.

Dennoch sind wir anders: wir arbeiten ohne Chef oder Chefin, wir bieten viele Bücher und Zeitschriften an, die anderswo längst aus dem Sortiment geflogen wären, weil sie im betriebswirtschaftlichen Sinn als Ladenhüter gelten (oder anders: wir müssen viele Bücher vorfinanzieren), wir bieten unbezahlte Serviceleistungen an, die anderswo undenkbar wären, wir zahlen uns Löhne aus, die kaum zum Überleben reichen (knapp über Hartz-IV-Niveau), und wenn wir Kunden und Kundinnen beraten und mit ihnen sprechen, kann es schon einmal passieren, dass wir vom Kauf eines bestimmten Buches abraten, und die finanzielle Grundausstattung des Buchladens basiert auf privaten Darlehen, aus Solidarität von Unterstützer_innen.

Das ist seit der Gründung des Buchladens so, und es wird auch so bleiben. Über finanzielle Reserven verfügen wir nicht (bzw. nur sehr eingeschränkt); wenn jemand ein privates Darlehen kündigt, muss es durch ein neues ersetzt werden. Solche Umschuldungen sind ein normaler Vorgang und gehören zu unserem täglichen Brot im alltäglichen Ladengeschäft; sie werden in der Regel ohne Aufsehen und Getöse abgewickelt.

Ende dieses Jahres steht nun eine größere Umschuldung an: 5.000€ im September (diese Rückzahlung ist bereits gesichert) und 20.000€ im Dezember, die wir zum Großteil noch aufbringen müssen. Wir bräuchten also ein richtig großes Darlehen, vier à 5.000€, 20 à 1.000€ oder 200 Kleindarlehen à 100€ (alle Darlehen auf Wunsch auch mit 2% Jahreszins), Spenden und Bücherkontoauffüllungen in beliebiger Höhe, um bis Weihnachten das fällige Darlehen zurückzuzahlen. Wir bitten also alle Kund_innen, Unterstützer_innen, Freund_innen, Genoss_innen, Nutzer_innen zu überlegen, ob und wie ihr uns finanziell unterstützen könnt, um die anstehende Umschuldung reibungslos über die Bühne zu bringen. Die Septemberrate ist unter Dach und Fach, für Dezember gibt’s eine Zusage für ein kleineres Darlehen, aber der größere Teil ist noch offen.

Wir freuen uns auf Rückmeldungen; am 11. Juli, einem Freitag, wird es im den Räumen des Buchladens (Nikolaikirchhof 7) um 19.00 Uhr ein Treffen geben, wo wir über die Fortschritte beim Umschulden berichten und weitere Ideen sammeln wollen.