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Veranstaltungen - Archiv 2011

 

 

Unter dem Jolly Roger

Piraten im Goldenen Zeitalter

Veranstaltung mit Gabriel Kuhn

Die Piraten des „Goldenen Zeitalters“, die von 1690 bis 1725 die Meere

zwischen der Karibik und dem Indischen Ozean unsicher machten,

haben bis heute nichts an Faszination verloren. Die politische Deutung

ihrer Aktivitäten ist jedoch umstritten. Auf der einen Seite werden

sie als gewalttätige und erbarmungslose Kriminelle dargestellt, auf

der anderen als Sozialrebellen und Revolutionäre.

„Unter dem Jolly Roger“ untersucht die Kultur und Ökonomie,

die moralischen Prinzipien und sozialen Organisationsformen der

Piraten ebenso wie die Bedeutung von Nation, Geschlecht, Sexualität,

Religion und Ethnizität in ihren Gemeinschaften. Ein abschliessender

Essay widmet sich der Relevanz des Goldenen Zeitalters für politischen

Aktivismus heute.

Gabriel Kuhn stellt sein Buch

„Unter dem Jolly Roger“

am Donnerstag,den 20. Oktober um 20.00 Uhr

im Roten Buchladen, Nikolaikirchhof 7 vor.

 

 

S. Anand

“Bhimayana: Experiences of Untouchability”

Eine politische Graphic Novel über Diskriminierung und Widerstand im modernen Indien

“Bhimayana: Experiences of Untouchability“ ist eine politische Bildgeschichte von S. Anand, die vom Leben des bedeutsamen indischen Aktivisten und Politikers B. Ambedkar handelt. Anands Graphic Novel wird weltweit von Literaturkritiker_innen und politischen Aktivist_innen begeistert aufgenommen. Der US-Nachrichtensender CNN lobt Anands Buch als eines der fünf wichtigsten politischen Comicbücher.

Am Freitag, den 21. Okt. 2011 um 19:30 Uhr wird S. Anand seine Graphic Novel im Buchladen Rote Straße (Nikolaikirchhof 7, 37073 Göttingen) vorstellen. Die Buchvorstellung findet auf Englisch statt

Was bedeutet es, in Indien ein Unberührbarer zu sein? Warum vermeiden es einige Inder_innen, andere zu berühren? Bhimrao Ramji Ambedkar (1891–1956), einer der wichtigsten politischen Aktivisten der indischen Unabhängigkeitsbewegung, wuchs als Unberührbarer im spätkolonialen Indien auf. Diskriminierung gehörte zu seinen alltäglichen Erfahrungen, sei es in der Schule, sei es nach seinem Studium an der Columbia University, sei es während seiner späteren Reisen durch Indien. Im Kampf gegen die Diskriminierung als Unberührbarer fiel ihm eine zentrale Rolle in der Unabhängigkeitsbewegung zu und er wurde zum Autor der Verfassung des unabhängigen Indiens. In späteren Jahren konvertierte er zum Buddhismus. Von Ausgrenzung und Diskriminierung sind bis heute die rund 170 Millionen „Dalits“ (Unberührbaren) in Indien betroffen. Ihnen wird immer noch der Zugang zu Brunnen, Häusern und anderen lebensnotwendigen Einrichtungen verwehrt.

Der Autor S. Anand verbindet die historische Person Ambedkars mit einer Kritik an der aktuellen Diskriminierung großer Bevölkerungsteile in Indien. Unterstützt wird er dabei von Durgabai Vyam und Subhash Vyam, die die Geschichte gekonnt grafisch in Szene setzen. S. Anand ist Mitbegründer des Navayana-Verlags („Der neue Weg“), der sich bisher als einziger Verlag in Indien auf Publikationen zum Thema „Kaste“ aus einer dezidiert kritischen Perspektive spezialisiert hat.

Arundhati Roy, eine der bekannsten Aktivistinnen und Schriftstellerinnen Indiens, schreibt zu dem Buch: “The story of the life of Bhimrao Ambedkar, one of India’s most important thinkers, has been deliberately sidelined for decades. Bhimayana re-tells it in the most unusually beautiful way. It is unforgettable.”

 

Freitag, 21. Okt. 2011, 19:30 Uhr, Buchladen Rote Straße

 


Emma Goldmann: Gelebtes Leben

Eine szenische Lesung mit Marlen Breitinger
.
Mai 2011 um 20.00 Uhr
Buchladen Rote Strasse, 
Nikolaikirchhof 7

 

Emma Goldmann (1869 – 1940), „die rote Emma“ war zu ihren Lebzeiten

eine Symbolfigur des Anarchismus. Sie wurde bekannt durch ihre Schriften,

ihre Reden und engagierten Kampagnen für die Rechte der ArbeiterInnen,

für Geburtenkontrolle, gegen die Wehrpflicht und für die Friedenbewegung.

1886 war sie im Alter von siebzehn Jahren aus Russland in die USA emigriert.

Durch die Hinrichtungen der Aufständischen vom Chicagoer Haymarket

und die Begegnung mit Johann Most politisiert, erkannte sie bald ihr großes

rhetorisches Talent und setzte es bei Vorträgen und Agitations-

versammlungen

ein, wo sie für die verschiedensten Belange der ArbeiterInnen

und der Unterdrückten kämpfte. Sie wurde mehrere Male zu

Gefängnisstrafen verurteilt und 1917, im Zuge der Anarchistenhetze

und der Kriegsbegeisterungin der Gesellschaft, nach Russland deportiert,

wo sie Zeugin der Auswirkungen der Russischen Revolution wurde. 

Enttäuscht von der diktatorischen Herrschaft

der Bolschewiki,verbrachte sie einige Jahre in Frankreich, wo sie

in den zwanziger Jahren ihre Autobiographie verfasste. 1936 nahm sie am

spanischen Bürgerkrieg teil. 1940 verstarb sie in Toronto.

 

VeranstalterInnen: Theaterkeller e.V.,

Jugendzentrum Innenstadt e.V. Buchladen Rote Strasse,

Geschichtswerkstatt Göttingen e.V.

 

Emma Goldmann: Gelebtes Leben – Autobiographie

neu übersetzt von Maren Breitinger. Renate Orywa und Sabine Vetter

Nautilus Verlag 2010

 

 

 

Maghreb: Aufstände aus dem Alltag -

Politik gegenFlüchtlinge

 

Eine Veranstaltung über die arabische Revolution

und das Scheitern Europas im Süden

Erfahrungsbericht und Darstellung von Helmut Dietrich (2006-2010 Tunesien /

Algerien).

Epochale soziale Unruhen haben die arabische Welt erfasst. Die Gesellschaften mobilisieren sich in einer unerhörten Weise, in Tunesien und Ägypten haben die Massendemonstrationen bereits die bisherigen Machthaber in die Flucht geschlagen. Die Parole „Das Volk will den Sturz des Systems“ ist auch im Jemen, in Jordanien, in Bahrein und Libyen zu hören. Die Sozialrevolten scheinen im Politischen zu münden. Aber in Wirklichkeit sind es keine Stürme auf das Winterpalais. Parteien und NGOs spielen kaum eine Rolle. Die Bewegungen beziehen ihre Kraft aus einem dichten Geflecht von AllEtagsbeziehungen. Und sie drohen auch jede Übergangsregierung zu stürzen, sofern diese keine tiefgreifende Veränderung der sozialen Verhältnisse herbeiführt.

Die Unruhen zielen langfristig auf gerechte und würdige Lebensverhältnisse innerhalb der arabischen Gesellschaften, aber auch auf ein verändertes, nicht länger von Ungleichheit und Abhängigkeit geprägtes Verhältnis zu Europa und Nordamerika. Im Zuge der EU-Sicherheitsstrategie (2003) und der EU-Nachbarschaftspolitik (2004) hat sich Europa gezielt mit einem südlichen Ring von geförderten Diktaturen umgeben. Die Einkommensschere zwischen der südlichen Europäischen Union und den arabischen Ländern am nördlichen Mittelmeerufer beträgt bei den formellen Lohnverhältnissen ungefähr 1:10 – so viel wie nie zuvor in der jahrtausendealten Mittelmeergeschichte. Die Migration nach Europa ist (1) durch die Kriminalisierung der freien Ausreise in Nordafrika, (2) durch das Visa-Regime, (3) durch Frontex und (4) durch die Fahndung nach Illegalisierten in der EU stark blockiert. Das Mittelmeer bei Gibraltar und zwischen Tunesien und Süditalien ist zum größten Massengrab der euromediterranen Nachkriegsgeschichte geworden.

Das Projekt EU-Europa scheitert: vom Süden her. Welche globalen Umbrüche von den Unruhen in der arabischen Region ausgehen könnten, ist derzeit nicht absehbar. Die gegenwärtigen Ereignisse könnten sich als weltgeschichtliche Zäsur erweisen, wie die „Arabische Revolte“ gegen das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs und der Antikolonialismus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wie sind diese Unruhen entstanden? Was sind ihre gesellschaftlichen und historischen Voraussetzungen? Was treibt sie an? Wie haben sie sich aus dem Mikrokosmos der Armut, der Jugend, des informellen Sektors in Akte historischen Ausmaßes übersetzt? Wie korrespondieren die lokalen Sozialrevolten über tausende von Kilometern miteinander? All dies sind Fragen, die sich allenfalls beispielhaft stellen lassen.

Im Mittelpunkt des Abends steht die erste tunesische Revolution (17.12.2010-14.01.2011) und der niedergeschlagene Aufstand Algeriens (04.-10.01.2011).

Erfahrungsbericht und Darstellung von Helmut Dietrich (2006-2010 Tunesien / Algerien).

Sonntag | 13. März 2011 | 20 Uhr

Buchladen Rote Straße | Nikolaikirchhof 7 | Göttingen

Veranstalter_innen:

AUT, Buchladen Rote Straße, Bündnis gegen Abschiebung und Rassismus, Solidaritätsbündnis mit den revoltierenden Menschen, AK Internationalismus, BG Geschichte

 
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