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Gabriel Trujillo Munoz: Tijuana BluesAus dem Spanischen übersetzt, Unionsverlag , 19,90 €. Lasst Euch ins vor Hitze flirrenden Baja California in die Stadt Mexicali an der ‚frontera‘, der Grenze zu den Vereinigten Staaten von Amerika, genauer zu Kalifornien und Arizona, versetzen. Hier prallen Welten aufeinander: arm und reich, Süden und Norden, Peripherie und Zentrum, überlagern sich hispanoamerikanische und angelsächsische Kultur. Beiderseitig der Grenze sind Gewalt, Korruption, Drogen, Menschenhandel und die unsägliche Ignoranz ImmigrantInnen gegenüber Alltag, spielen DEA und Geheimdienste ihr privates und reguläres Spiel. Über die Recherchen von Morgado, Mitglied von Amnesty International und Ermittler für die Menschenrechtskommission in Mexiko, und seiner ‚Familie‘ stellt Munoz die gesellschaftliche und soziale Situation der Grenzregion sowohl literarisch als auch inhaltlich versiert und packend dar und sorgt, wenigstens auf dieser Ebene, für ein bisschen Gerechtigkeit. Ein paar Worte zur ‚Familie des Anwalts‘: Er selbst ist in Mexicali geboren, lebt aber meist in Mexiko City. Seine Freunde und Helfer sind die durchaus regen Veteranen der ‚Anarchistischen Liga Ricardo Florés Magon‘ und eine Biker-Gang, eine Rotte langmähniger Harley-Davidson-Fahrer, die ein Zentrum für Migration betreiben (wie ein Freund sagt: "Eine durchaus wohltätige Vereinigung") und Alicia, der Morgados Liebe gilt, und die, wie er nicht weiß, eine verdeckt ermittelnde Bundesagentin der USA ist. Soweit zu den personellen Konstanten der Geschichten.
Aber lesenswert machen das Buch nicht allein die Weite der mexikanischen Wüste, die Themen der Geschichte, die Menschen und Vorfälle dem Vergessen entreißen, und der Haufen versprengter Linker, die als HeldInnen herhalten, sondern auch die literarische Verknüpfung von politischer Situation und reflektierter Einschätzung, was die Linke im Norden Mexikos angesichts des Machtgefälles ausrichten kann, kombiniert mit einer Haltung selbstironischer Beharrlichkeit. Sehr lesenswert, auch Nicht-Kriminalromanleserinnen zu empfehlen. Vorsicht: Ironisch gebrochener Machismo. In Mexiko ist Munoz schon lange bekannt. Dem Unionsverlag ist wieder einmal die Entdeckung eines Autors für das deutschsprachige Publikum zu danken. ‚Tijuana Blues‘ bestellen |


